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Artillery im amerikanischen Bürgerkrieg

 

Die Artillerie im amerikanischen Bürgerkrieg hat einen ähnlich schlechten Ruf, wie das Bajonett. Es wird angenommen, dass sie dem Gegner wenig Schaden zufügte oder große Wirkung erzielte. Des Weiteren besteht die Annahme, dass die Artillerie zu diesem Zeitpunkt bereits veraltet war und mit der technologischen Entwicklung der Infanteriewaffen nicht mehr Schritt halten konnte.

 

Zu Beginn des Krieges war die Artillerie auf beiden Seiten in eigenständige Batterien aufgeteilt, welche wieder Brigaden, Regimentern oder gar nur Infanterie Bataillonen zugeteilt waren. Der kommandierende Infanterieoffizier war daher auch der Kommandant der Artillerie, der alle diesbezüglichen Entscheidungen traf, da er einen höheren Rang inne hatte, als der Batteriekommandant. Die Folge davon war, dass die Artillerie nicht richtig eingesetzt wurde und deren Batteriekommandanten bei Beförderungen übergangen wurden.

 

Im Allgemeinen wurde Artillerie als Hilfstruppe betrachtet. Sie konnte auf sich allein gestellt, ohne Infanterie oder Kavallerie, keine Schlachten gewinnen. Es gab kein geeignetes Konzept zum Einsatz der Artillerie, wo sie als eigenständige Waffengattung operieren und Schlachten entscheidend beeinflussen konnte. Nichts desto trotz war sie eine wichtige Unterstützungswaffe, welche die Schlagkraft einer Armee entscheidend  beeinflusste, wenn sie richtig zum Einsatz gebracht wurde.

 

Im Normalfall kamen 2- 4 Kanonen auf 1000 Mann Infanterie. In der Armee von Northern Virgina, welche bei den Infanterieregimentern immer einen unterbesetzten Mannschaftsstand hatte, war das Verhältnis meist 8- 10 Kanonen auf 1000 Mann Infanterie.

 

Das Aufteilen der Geschütze entlang der Infanteriekampflinie erzielte nur wenig Wirkung.

 

Wesentlich erfolgreicher war die Massierung einiger Batterien an einem geeigneten Geländepunkt, von wo aus sie gezielt den Gegner unter Beschuss nehmen konnten. Da indirektes Feuer nicht möglich war, musste auf diesen Punkt besonderes Augenmerk gelegt werden, da die Artilleristen vom Eintritt des Ziels in den Schussbereich bis zum Geschütz freie Sicht haben mussten. Außerdem sollten sich die Feuerbereiche der Geschütze überschneiden, um einen angreifenden Gegner ins Kreuzfeuer nehmen zu können, wodurch entscheidend mehr Wirkung erzielt werden konnte, als bei Frontalbeschuss.

 

Massierung und Kreuzfeuer waren taktische Maßnahmen, welche man bereits in den napoleonischen Kriegen angewendet hatte und nun mühsam wiedererlernt wurden. Vor 1860 gab es in der USA nur sehr wenig praktische Erfahrung in der Handhabung von großen Artillerieverbänden. Die Infanterie, welche nicht in der Lage war, die modernsten militärischen Theorien anzuwenden, bewegte sich die Artillerie immer mehr zur europäischen Artillerietaktik jener Zeit. Allerdings zeigte sich auch bei den besten Einsätzen der Artillerie, dass ihre Anwendung weit hinter den Erfordernissen zurück blieb, da es nur eine Handvoll von Offizieren gab, die sie entsprechend einsetzen konnten.

 

Es gab bereits Geschütze mit gezogenem Lauf. Da es sich hierbei um eine Neuentwicklung handelte, litt sich noch an wesentlichen Kinderkrankheiten. Obwohl sie bereits auf eine Meile Wirkung erzielen konnten, was bisher nicht möglich war, hatten sie auch entscheidende Nachteile. Die Geschosse waren relativ leicht, wodurch sie weniger Explosionskraft hatten, sie hatten eine hohe Geschwindigkeit, wodurch sie sich oft in den Boden gruben und harmlos explodierten und es gab viele Unfälle mit Geschützen, deren Rohr explodierte.

 

Die Ausreifung des Systems erfolgte erst im Deutsch Französischem Krieg 1870/ 71.

 

Die Union besaß für gewöhnlich mehr gezogene und schwere Kanonen, als die Konföderierten. Dadurch war es der Union theoretisch möglich Artillerieduelle zu gewinnen.

 

Dies half aber nicht Schlachten zu gewinnen. Die Konföderierten zog in diesem Fall in Bodensenken oder geschützte Stellungen zurück und warteten den Angriff der Unionsinfanterie ab. Sobald dieser in Gang war brachten sie ihre Geschütze wieder in Position und eröffneten das Feuer mit Kartätschen und Schrapnells, wodurch die Feuerkraft der eigenen Infanterie entscheidend verstärkt wurde.

 

Wahrscheinlich der effektivste Weg zum Einsatz der Artillerie im amerikanischen Bürgerkrieg war die Kanonen bedeckt zu halten, bis der Feind eine große Massierung seiner angreifenden Truppen vornahm und diese dann auf mittlere und kurze Entfernung zu beschießen.

 

Die Probleme für die Kanoniere begannen ab dem Zeitpunkt, als die feindliche Infanterie auf Gewehrschussweite herangekommen war. Nur in den seltensten Fällen gelang es der Infanterie eine Batterie im ersten Anlauf zu überrennen. Legte sich die Infanterie jedoch auf den Boden und begann die Artillerie zu beschießen, so konnte das für die Kanoniere unangenehm werden.

 

Die Hauptaufgabe der Artillerie war nicht so sehr eine Schlacht im Nahkampf zu gewinnen, obwohl das gut möglich war, als viel mehr den Feind auf Distanz zu halten und ihn erst gar nicht heran kommen zu lassen.

 

Die Wirkung der Artillerie sollte nicht so sehr an den erzielten Verlusten beurteilt werden, sondern wie beim Bajonett, der erzielte taktische Vorteil. Die moralische Wirkung des Kanonenlärms war von großer Bedeutung.

 

Das sind hauptsächlich Defensiveaufgaben und die Erfolge in der Defensive waren bedeutend größer, als in der Offensive. Für gewöhnlich war die Artillerie leichter bei der Verteidigung als beim Angriff zu verwenden. Die größte Wirkung erzielte die Artillerie auf kurze Distanz. Es ist leicht verständlich, dass es leichter war auf einen sich nähernden Feind zu schießen, als das Geschütz zum  Feind zu bewegen. Solche Artilleriesturmangriffe kamen auf beiden Seiten nur sehr selten vor und dann nur in geringer Geschützzahl. Ein Meister dieser Angriffsart war der konföderierte Pelham mit seiner berittenen Artillerie.

 

Obwohl die durch Artilleriebeschuss verursachten Verluste in der Regel nicht mehr als ca. 6% ausmachten, gab es manchmal auch Schlachten, wo weit größere Verluste durch Artillerie entstanden. Die Artillerie der Union verursachte bei Malvern Hill (July 1862) ungefähr die Hälfte der Verluste auf konföderierter Seite (Gesamtverluste ca. 9000, das waren 12% der konföderierten Armee) und bei Fredericksburg (Dezember 1862) verlor die Unionsarmee ca. 20% (Gesamtverluste 12000, 12% der Unionsarmee) ihrer Verluste durch konföderierte Artillerie.

 

Die Verluste der Kanoniere überschritten selten 10% der Mannschaftsstärke, wobei sich die Verluste zwischen feindlichen Infanterie- und Artilleriebeschuss aufteilten.

 

Wolfgang Heindl, aka. 1st Lt. Wolf, Commander Brooks Light Artillery

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