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Was ist Reenactment?

Reenactment ist der Versuch, eine vergangene Epoche für kurze Zeit historisch so korrekt wie möglich und lebendig darzustellen. Es kann auch als Geschichte zum Anfassen oder als lebendiges Museum bezeichnet werden. Reenactment wird in erster Linie als Hobby betrieben. Nur wenige spezialisierte Handwerker und Händler leben hauptberuflich davon. Die Wurzeln dieses Hobbys findet man in England. Daher werden häufig Anglizismen verwendet. Reenactment wird auch oft mit “Living-History” gleichgesetzt.
 
Wo wird Reenactment durchgeführt?
Zunächst muss zwischen Reenactments unterschieden werden, welche für die Öffentlichkeit durchgeführt werden und solchen, welche unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Reenactments für Publikum finden in der Regel in Museen, Freilichtmuseen, Geschichtsparks oder an Originalschauplätzen historischer Ereignisse statt. Seltener auch auf dem “platten Land”, ohne adäquate Kulisse.
Nichtöffentliche Reenactments, bei welchen die Hobbyisten unter sich sind, können durchaus auch auf Privatgrund oder extra angemieteten Flächen stattfinden. Nichtsdestotrotz werden auch für diese Aktionen gerne o. g. Plätze verwendet.
 
Was wird im Rahmen eines Reenactments dargestellt?
Die Themen, mit denen sich Reenactments beschäftigen können, sind vielfältig. Häufig werden sie zur Veranschaulichung und zum Nachempfinden historischer Ereignisse veranstaltet. Sehr beliebt sind historische Schlachten. Zum Beispiel die Schlacht von Hastings, Schlachten des 30jährigen Krieges, die Völkerschlacht bei Leipzig oder Waterloo. Reenactments können aber auch einen historischen Handwerks- und Handelsplatz mit einem Marktgeschehen wieder beleben. Ein römisches Castel oder eine spätmittelalterliche Burg wird mit einer entsprechenden Mannschaft besetzt. Mit Schiffsnachbauten wird eine Handelsrute entlang einer Küste nachgesegelt. Selbstverständlich sind auch Kombinationen möglich.
Natürlich wird nicht nur die heimische Vergangenheit (K.K Österreich, Deutschland, Europa) dargestellt. Auch außereuropäische Geschichte findet Beachtung. Beispielsweise fernöstliche (Stichwort: Samurai) oder amerikanische (amerik. Bürgerkrieg, Indianer, usw.). Allerdings steht das Reenactment des amerikanischen Bürgerkriegs in der geschichtlichen Darstellung bei uns im  Vordergrund.
Reenactment hat nichts mit der Verbreitung oder Vermittlung religiöser oder weltanschaulicher Überzeugungen zu tun. Es stellt wertfrei, wenn auch manchmal emotional, eine vergangene Epoche dar.  
 
Wie entsteht ein Reenactment?
Eine ungeschriebene Regel im Reenactment besagt, dass sämtliche Ausrüstung so originalgetreu wie möglich sein muss. Dies gilt für ein einfaches Paar Schuhe genauso wie für einen kompletten Schiffsnachbau. Um solche Ausrüstung herzustellen ist gründliche Nachforschung erforderlich. Als Quellen und Vorbilder dienen vornehmlich Grabungsfunde, zeitgenössische Abbildungen  (Manuskripte, Bildsteine, Statuen) und Beschreibungen in historischen Texten. Solche Informationen finden sich in Museen, Museumskatalogen und in der einschlägigen Literatur.
Diese Ausrüstung wird zum Teil von den Reenactors selbst hergestellt, zum Teil von darauf spezialisierten Handwerkern und Händlern verkauft.
Selbstverständlich muss nicht nur die Ausstattung selbst, sondern auch deren handwerkliche Herstellung, sofern diese öffentlich durchgeführt wird, dem historischen Original in Material, Werkzeug und Herstellungstechnik entsprechen.
 
Welche Unterschiede bestehen zu artverwandten Aktivitäten?

Museen, experimentelle Archäologie, Reenactments und die sogenannten Mittelaltermärkte beschäftigen sich im weitesten Sinne mit derselben Thematik -  der Vergangenheit.
Während Exponate im Museum in Vitrinen hinter Glas liegen, zeigt das Reenactment diese Gegenstände am lebenden Objekt in einer originalgetreuen Umgebung. Zudem “füllt” es die Räume zwischen den Vitrinen mit echtem Leben. Ein Betrachter sieht Dinge aus einer vergangenen Epoche, muss dann aber nicht einige Schritte in unserer modernen Zeit zurücklegen, um zum nächsten Ausstellungsstück zu gelangen. Aus der Summe aller Exponate eines Museums wird ein lebendiges Bild eines vergangenen Zeitalters mit entsprechender Atmosphäre. Ein Museum hat jedoch den Vorteil, dass es zumeist Originalfunde zeigt, während es sich bei den Gegenständen eines Reenactements fast ausschliesslich um Nachbauten handelt.
Ziel eines archäologischen Experiments ist es, exakte wissenschaftlische Informationen zu einem speziellen Thema herauszufinden. Beispielsweise soll die Seetüchtigkeit eines Schiffsnachbaus ermittelt werden oder die Temperatur, bei der Keramik in einem Grubenbrand besonders gut gelingt. Die Experimentalarchäologen tragen bei diesen Experimenten aber nicht zusätzlich die Tracht der jeweiligen Epoche. Es geht nur um die Manövrierfähigkeit des Schiffs, nicht um die Hochseetauglichkeit der damaligen Kleidung. Daher verwenden sie modernes Ölzeug. Experimentelle Archäologie findet üblicherweise ohne Öffentlichkeit statt.
Mittelaltermärkte, Hunnenlager, Römeressen, Ritterspiele und Keltenumzüge finden heute in beinahe jedem größeren Ort statt. Sie sollen mehr das Flair einer vergangenen, romantisch verklärten Epoche vermitteln als die korrekten historischen Gegebenheiten vermitteln. Außerdem sollen sie den Geldsäckel so mancher Gemeinden, Vereine oder Veranstalter füllen.
Selbstverständlich gibt es Grauzonen und Überschneidungen zwischen all diesen artverwandten Bereichen. Museen treten oft als Veranstalter von Reenactments auf und so mancher Experimentalarchäologe treibt sich auf einem Mittelaltermarkt herum.
Abschließend kann man sagen, dass bei Museen und archäologischen Experimenten das wissenschaftlich korrekte Arbeiten entscheidend ist, während bei Mittelaltermärkten der Unterhaltungswert im Vordergrund steht. Das Reenactment bewegt sich irgendwo dazwischen.


Mit freundlicher Genehmigung von www.reenactment.de

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